Gesunde Entwicklung durch Sicherheit, Struktur und ein gewaltfreies Zusammenleben

Alle Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Sperlingshof stehen ein für

  • Sicherheit

Jede Person im Sperlingshof soll sich zu jeder Zeit sicher fühlen!
Dafür wurden Regeln entwickelt, die für alle Personen gelten, transparent sind und von allen eingefordert werden können.
Wir sind davon überzeugt, dass diese Regeln ein hohes Maß an Sicherheit im Zusammenleben geben!

  • Struktur

Der Alltag sowohl in der Schule am Sperlingshof (SBBZ), wie auch in den Wohngruppen, ist von viel Struktur, vorhersehbaren Terminen und Ritalen geprägt.
Wir sind davon überzeugt, dass ein hohes Maß an Struktur die Grundlage für eine gesunde Entwicklung bildet!

  • Ein gewaltfreies Zusammenleben

Viele unser Kinder und Jugendlichen haben in ihrem Leben gelernt, Konfliktsituationen außschließlich mit Gewalt  zu lösen, sehen es als normal an, andere Menschen psychisch zu verletzten (Mobbing) und das Eigentum eines Anderen nicht zu respektieren.
Mit verschiedenen pädagogischen Ansätzen sollen diese Jungen lernen, ihre erlernten Verhaltensweisen wieder zu verlernen (abzulegen).
Durch reaktive Maßnahmen (Prinzip: Aktion – Reaktion) wie „die 3 Methoden gegen Gewalt“ im Sperlingshof soll dies den Jungen ermöglicht werden:

AGG (Anti Gewalt Gremium)

Das AGG versteht sich als ein Gremium, welches nach der Ausübung einer Gewalttat zusammentritt und das Kind/den Jugendlichen mit seinem Verhalten konfrontiert, Regeln und Grenzen nochmals deutlich veranschaulicht, die Opferperspektive eröffnet, sowie mit dem jungen Menschen geeignete, der Tat entsprechende Konsequenzen und Wieder-gutmachungsleistungen herausarbeitet.
Das AGG bedient sich aus dem konfrontativen Methodenkatalog, basierend auf einer wert-schätzenden Grundhaltung.
Durch das AGG sollen die Wohngruppen und die Schule in ihrem Erziehungsauftrag unterstützt werden. Daher tritt das AGG nur dann zusammen, wenn es von den jeweiligen Gruppen oder der Schule angerufen wird.
Auch Kinder oder Jugendliche können sich bei erlittener Gewalt an das AGG wenden. Hier wird im Austausch mit den verantwortlichen Pädagogen eine Einberufung des AGG geprüft.
Durch das AGG soll ebenso eine gemeinsame Haltung des miteinander Lebens und Arbeitens mit prosozialer Ausrichtung gefördert werden.
Gewalttaten sind unter folgenden Kriterien für das AGG angedacht:

• Häufige und wiederkehrende verbale Gewalt
• Körperliche Gewalt
• Zerstörung und mutwillige Sachbeschädigung
• Psychische Gewalt (Drohungen, Erpressungen, Mobbing)

Das AGG setzt sich aus ausgebildeten Anti-Aggressivitäts-/Coolness-Trainern® und einem Mitarbeiterstamm zusammen, die sich bereit erklären, bei Bedarf an einer AGG-Sitzung teilzunehmen. Somit ist gewährleistet, dass das AGG unmittelbar und zeitnah nach einer Gewalttat zusammentreten kann.
Pro Sitzung sind 3 bis 5 Mitarbeiter anwesend.
Bevor der junge Mensch sich dem konfrontativen Gespräch stellen muss, wird ein Vorgespräch durchgeführt, in welchem die Tat analysiert wird und ein individuelles Vorgehen diskutiert wird. Somit ist gewährleistet, dass der jeweiligen Psychodynamik des Kindes/Jugendlichen Rechnung getragen wird.

GBK (Gesamtbewohner Konferenz)

Neben verschiedenen Programmpunkten (siehe auch GBK – Gesamtbewohner Konferenz), hat die monatlich stattfindende GBK einen wichtigen Anteil in unserem „Anti-Gewalt-Programm“:

  • Sachbeschädigungen können vor allen Kindern, Jugendlichen und Pädagogen gemeldet und eventuell noch vor Ort geklärt werden
  • AGG-Prozesse werden in der jeweils folgenden Gesamtbewohner Konferenz veröffentlicht. Damit tragen wir dem Grundsatz Rechnung, dass wir gemeinsam gegen Gewalt eintreten und diesem Verhalten keinen geschützten Raum bieten.
    Ein Kind/Jugendlicher wird ebenso in der Gesamtbewohner Konferenz durch Applaus entlastet, wenn er seine Auflagen erfüllt und somit den verursachten „Schaden“ beglichen hat.

Zerstörungsbarometer

Sachbeschädigung und Zerstörung ist ein Ausdruck eines nicht gelingenden Umgangs mit Aggressionen. Es gibt immer Gründe, warum Aggressionen entstehen, und es ist oft verstehbar, warum Kinder und Jugendliche keine anderen Handlungsalternativen besitzen, anstatt Dinge zu zerstören. Zu oft wurden Wünsche, Träume, Hoffnungen und leider auch Beziehungen zerstört. Natürlich ist es Aufgabe in der pädagogisch/therapeutischen Beziehungsarbeit, die jungen Menschen darin zu unterstützen, mit diesen seelischen Verletzungen umzugehen, und ihnen gleichzeitig ein erweitertes Verhaltensrepertoire zur Verfügung zu stellen und einzutrainieren.
Gleichzeitig müssen die jungen Menschen aber auch erfahren, dass wir ihr bisheriges aggressives Vorgehen nicht tolerieren und als einen ungewollten Lösungsansatz ablehnen.
Ein Puzzlestein in der Begegnung der Gewalt gegen Dinge ist das Offenlegen und Benennen der Tat und des Täters im Zerstörungsbarometer, welches wie folgt funktioniert:
Die Geschäftsleitung legt am Jahresbeginn einen anzunehmenden Betrag an Zerstörungsschäden fest. Wird dieser Betrag zum Jahresende hin unterschritten, wird der Differenzbetrag an die Gruppen ausbezahlt. Diese können dann in ihren Gruppenkonferenzen mit den Kindern/Jugendlichen entscheiden, wofür die zusätzliche Einnahme investiert wird. Wird der Betrag überschritten, gibt es keine Belohnung.
Gleichzeitig werden auf dem Barometer die verursachten Schäden mit Angabe der Schadenshöhe und der Verursacher benannt. In der Gesamtbewohnerkonferenz werden diese Fakten ebenfalls veröffentlicht. Werden Schäden abbezahlt oder durch freiwillige Arbeit beglichen, wird der Betrag wieder aus dem Schadensbarometer herausgenommen.
Das Zerstörungsbarometer ist öffentlich im Verwaltungsgebäude einsehbar.
Ziel dieses Vorgehens ist neben der gemeinsamen Grundhaltung gegen Zerstörung die Umkehrung der negativ besetzten Sichtweise von Gewalt durch ein Belohnungssystem bei unterlassenem Vandalismus.
Seit Einführung des Zerstörungsbarometers im Jahr 2004 konnte die Schadensobergrenze von ehemals 15.000 € auf unter 3.000 € gesenkt werden. In keinem Jahr wurde die Höchstgrenze überschritten.